Was ist die Positionsgröße? Bedeutung, Formel und Beispiele
Die Positionsgröße festzulegen, im Englischen Position Sizing genannt, heißt zu entscheiden, wie viel Geld du in einen einzelnen Trade oder eine Anlage steckst, ausgehend davon, wie viel du zu verlieren bereit bist, wenn es schiefgeht. Statt zu fragen „Wie viel könnte ich verdienen?“, gehst du von deiner Kontogröße und deinem Stop-Loss aus und rechnest aus, wie viele Einheiten du kaufst, damit dich ein schlechter Trade nur einen kleinen, geplanten Anteil deines Kapitals kostet. Das ist der praktischste Teil des Risikomanagements, und es funktioniert bei Aktien, ETFs, Krypto und Forex gleich.
Was ist die Positionsgröße, einfach erklärt?
Bei der Positionsgröße geht es um die Regel, die festlegt, wie groß jede Position in deinem Portfolio ist. Die Größe ist keine Schätzung und keine runde Zahl: Sie ergibt sich aus zwei Werten, die du vor dem Kauf festlegst, dem Anteil deines Kontos, den du zu riskieren bereit bist, und dem Kurs, bei dem du dir eingestehst, dass der Trade falsch war.
Es hilft, zwei Zahlen zu trennen, die Anfänger oft verwechseln:
- Positionswert: was die Position wert ist. Kaufst du 10 Aktien zu je 50 €, beträgt dein Positionswert 500 €.
- Kontorisiko: was du tatsächlich verlierst, wenn der Trade deinen Stop-Loss erreicht. Mit einem Stop bei 45 € verlierst du 5 € pro Aktie, insgesamt also 50 €.
Eine richtig bemessene Positionsgröße steuert die zweite Zahl. Eine Position von 500 € kann ein kleines oder ein großes Risiko sein, je nachdem, wo dein Stop-Loss liegt.
Warum ist die Positionsgröße wichtig?
Die Positionsgröße ist wichtig, weil sie verhindert, dass ein schlechter Trade oder eine Serie davon dein Konto ruiniert. Auch eine solide Strategie hat Verlustserien, und bei volatilen Werten wie Krypto können diese Serien lang sein.
So wirken sich zehn Verluste in Folge auf ein Trading-Konto von 10.000 € aus, wenn das Risiko pro Trade ein fester Prozentsatz des aktuellen Kontostands ist:
| Risiko pro Trade | Konto nach 10 Verlusten in Folge | Nötiger Gewinn, um wieder auf 10.000 € zu kommen |
|---|---|---|
| 1 % | rund 9.044 € | rund 11 % |
| 5 % | rund 5.987 € | rund 67 % |
| 10 % | rund 3.487 € | rund 187 % |
Auf die Mathematik kommt es an: Von kleinen Verlusten erholst du dich leicht, von großen nicht. Was die Positionsgröße nicht kann, ist, eine Verluststrategie in eine Gewinnstrategie zu verwandeln. Sie begrenzt das Verlustrisiko; deine Trefferquote und die Größe deiner Gewinne entscheiden weiterhin, ob du Geld verdienst.
So berechnest du die Positionsgröße
Um die Positionsgröße zu berechnen, brauchst du drei Zahlen: deine Kontogröße, den Prozentsatz, den du pro Trade riskierst, und den Abstand zwischen deinem Einstiegskurs und deinem Stop-Loss.
Positionsgröße (Einheiten) = Kontorisiko ÷ Trade-Risiko pro Einheit
Kontorisiko = Kontogröße × Risikoprozentsatz. Trade-Risiko pro Einheit = Einstiegskurs − Stop-Loss-Kurs.
Eine Beispielrechnung zur Positionsgröße
Du hast 10.000 € auf einem Trading-Konto und nutzt eine Risikoregel von 1 %.
- Kontorisiko: 10.000 € × 1 % = 100 €. Das ist das Risiko, das du für einen Trade vorsiehst.
- Trade-Risiko pro Einheit: Du willst einen ETF zu einem Einstiegskurs von 80 € kaufen, mit einem Stop-Loss bei 76 €. Das sind 4 € pro Einheit.
- Wie viele Einheiten: 100 € ÷ 4 € = 25 Einheiten.
- Positionswert: 25 × 80 € = 2.000 €, also 20 % deines Kontos.
Ändere jetzt nur den Stop. Mit einem engeren Stop bei 78 € (2 € pro Einheit) kannst du 50 Einheiten kaufen, eine Position von 4.000 €. Mit einem weiteren Stop bei 72 € (8 € pro Einheit) kaufst du 12 Einheiten im Wert von 960 €. Die Größe des Trades ändert sich stark, aber der mögliche Verlust bleibt jedes Mal bei rund 100 €. So funktioniert die Bestimmung der Positionsgröße.
Kosten einrechnen und abrunden
Kosten gehen vom selben Risikobudget ab. Verlangt dein Broker 1 € für den Kauf und 1 € für den Verkauf, und kostet der Spread noch einmal 1 €, liegt dein tatsächliches Risiko im Beispiel oben bei 103 €, nicht bei 100 €. Bei US-Aktien kommt die Gebühr für den Währungsumtausch hinzu. Runde dann auf ganze Aktien ab oder bei Krypto auf die kleinste zulässige Schrittweite einer Order. Ein Positionsgrößenrechner nimmt dir diese Rechnung ab, aber du solltest trotzdem jeden Wert verstehen. Unser Ratgeber zu Trading-Gebühren erklärt, welche Kosten du einrechnen solltest.
Gängige Methoden für die Positionsgröße
Es gibt nicht die eine beste Strategie für die Positionsgröße. Das sind die Methoden, die du am häufigsten siehst, von der einfachsten bis zur anspruchsvollsten.
Positionsgröße mit festem Prozentsatz
Bei der Methode mit festem Prozentsatz riskierst du bei jedem Trade denselben Anteil deines Kontokapitals, oft zwischen 0,5 % und 2 %. Das nennt man auch die Fixed-Fractional-Methode. Weil sich der Prozentsatz auf deinen aktuellen Kontostand bezieht, sinkt das Risiko in Euro nach Verlusten und steigt nach Gewinnen, was den Schaden in einer Verlustphase bremst. Sie ist der übliche Ausgangspunkt, weil sie das Risiko automatisch an deine Risikotoleranz anpasst.
Fester Betrag und feste Stückzahl
Bei einem festen Betrag riskierst du bei jedem Trade dieselbe Summe in Euro, etwa 50 €. Das ist einfach, passt sich aber nicht an, wenn dein Konto wächst oder schrumpft. Bei einer festen Stückzahl kaufst du jedes Mal dieselbe Menge an Einheiten, zum Beispiel 10 Aktien oder 0,1 eines Coins. Das ist die einfachste Regel und die schwächste, weil sich dein tatsächliches Risiko mit jedem Kurs und jedem Stop-Abstand ändert.
Positionsgröße nach Volatilität
Bei der volatilitätsbasierten Positionsgröße bestimmen die jüngsten Schwankungen des Marktes den Stop und damit die Größe. Ein verbreitetes Werkzeug ist die Average True Range (ATR): die durchschnittliche tägliche Kursspanne über zum Beispiel 14 Tage. Setz den Stop zwei ATR unter deinen Einstieg, und die Formel erledigt den Rest. Steigt die Marktvolatilität, rückt der Stop weiter weg, und die Position wird automatisch kleiner.
Beispiel: Ein Token wird zu 2,00 € gehandelt, mit einer ATR von 0,20 €. Ein Stop im Abstand von zwei ATR liegt 0,40 € unter dem Einstieg, mit einem Kontorisiko von 100 € kaufst du also 250 Token, eine Position von 500 €. Das passt zu volatilen Märkten wie Krypto, wo ein enger Stop schon durch normales Rauschen ausgelöst wird.
Das Kelly-Kriterium
Das Kelly-Kriterium ist eine Wettformel, die aus deiner Trefferquote und deinem durchschnittlichen Gewinn im Verhältnis zu deinem durchschnittlichen Verlust eine optimale Einsatzgröße berechnet. Bei einer Trefferquote von 50 % und Gewinnen, die doppelt so groß sind wie die Verluste, schlägt das volle Kelly-Kriterium vor, 25 % deines Kapitals auf jeden Trade zu setzen. Das ist weit mehr, als die meisten Trader aushalten würden, und es beruht auf Statistiken zu deiner eigenen Strategie, die Privatanleger selten haben. Wenn du es überhaupt nutzt, nimm nur einen kleinen Bruchteil des Ergebnisses.
Positionsgröße bei Krypto und Hebel
Die gleiche Formel gilt für Krypto, aber die Werte verhalten sich anders. Die Kurse bewegen sich rund um die Uhr, eine Stop-Loss-Order kann deutlich unter deinem Kurs ausgeführt werden, wenn der Markt schnell fällt, und ein Coin kann fast seinen gesamten Wert verlieren. Betrachte deinen Stop als Plan, nicht als Versprechen, und steck nie Geld in Krypto, das du dir nicht zu verlieren leisten kannst.
Ein Hebel macht die Positionsgröße wichtiger, nicht unwichtiger. Mit Hebel kann dein Positionswert ein Vielfaches des Geldes betragen, das du einsetzt, und die Börse kann deine Position schließen (Liquidation), bevor dein Stop erreicht ist. Die meisten Privatanleger verlieren mit CFDs und anderen gehebelten Produkten Geld. In der EU ist der Hebel bei CFDs für Privatanleger begrenzt, bei Krypto-CFDs auf 2:1, aber selbst 2:1 verdoppelt deine Verluste ebenso wie deine Gewinne.
Fehler bei der Positionsgröße, die du vermeiden solltest
Das sind die häufigsten Arten, wie Trader ihre eigenen Regeln zur Positionsgröße brechen:
- Nach einer Gewinnserie die Positionen vergrößern. Selbstvertrauen ist kein Vorteil. Bleib beim gleichen Risikoprozentsatz.
- Nach Verlusten verdoppeln. Wer einen schlechten Trade zurückgewinnen will, indem er mehr riskiert, macht aus kleinen Verlusten große.
- Korrelation ignorieren. Drei Krypto-Positionen mit je 1 % verhalten sich eher wie eine Wette mit 3 %, weil sie oft gemeinsam fallen.
- Ohne Stop traden. Ohne Stop-Loss-Kurs kannst du keine Positionsgröße berechnen, und dein tatsächliches Risiko ist die ganze Position.
- Kurslücken vergessen. Aktien können nach Nachrichten am Wochenende weit unter dem Schlusskurs vom Freitag eröffnen. Dein Verlust kann dann größer sein als geplant.
Nutze die richtigen Ordertypen, um deinen Stop zu platzieren, und schreib dein Risiko pro Trade auf, bevor du auf Kaufen klickst.
Positionsgröße für langfristige Anleger
Wenn du über einen Sparplan 100 € im Monat in einen ETF investierst, brauchst du keine Stop-Loss-Formel. Für dich bedeutet die Positionsgröße, zu entscheiden, wie viel deines Portfolios in jede Anlageklasse fließt. Wenn du zum Beispiel festlegst, dass Krypto nie mehr als 5 % eines Portfolios von 20.000 € ausmachen soll, liegt deine Obergrenze bei 1.000 €, egal wie aufregend der Markt aussieht. Regelmäßige, feste Beträge wie beim Cost-Average-Effekt sind ebenfalls eine Form, die Positionsgröße festzulegen.
Das Fazit
Die Positionsgröße macht aus einem vagen Gefühl von „nicht zu viel“ eine Zahl: Leg dein Risiko pro Trade fest, miss den Abstand zu deinem Stop, teile. Sie macht eine schlechte Strategie nicht profitabel, aber sie hält dich lange genug im Spiel, um herauszufinden, ob deine funktioniert.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Wie lautet die Formel für die Positionsgröße?
Positionsgröße = (Kontogröße × Risikoprozentsatz) ÷ (Einstiegskurs − Stop-Loss-Kurs). Bei einem Konto von 10.000 €, 1 % Risiko und einem Abstand von 4 € zwischen Einstieg und Stop kaufst du 25 Einheiten.
Was ist die 2 %-Regel beim Trading?
Die 2 %-Regel besagt, dass du nie mehr als 2 % deines Trading-Kontos bei einem einzelnen Trade riskierst. Bei einem Konto von 5.000 € sind das 100 €. Sie begrenzt, was du verlieren kannst, wenn der Stop ausgelöst wird, nicht die Größe der Position selbst.
Funktioniert die Berechnung der Positionsgröße auch bei Krypto?
Ja, die Formel ist dieselbe, und weil sich Coins in Bruchteilen kaufen lassen, kannst du leicht genau die passende Menge kaufen. Weil Krypto sehr volatil ist, liegen Stops meist weiter entfernt, die Positionen fallen also kleiner aus, und in einem schnellen Markt kann ein Stop deutlich unter deinem Kurs ausgeführt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Positionsgröße und Positionswert?
Die Positionsgröße ist, wie viele Einheiten du kaufst; der Positionswert ist, was diese Einheiten wert sind. Die Zahl, auf die es beim Risiko ankommt, ist keine von beiden: Es ist das, was du verlierst, wenn der Kurs auf deinen Stop-Loss fällt.