Was ist Impermanent Loss bei Krypto?
Impermanent Loss ist die Lücke zwischen dem, was deine Token in einem Liquiditätspool wert sind, und dem, was sie wert gewesen wären, wenn du sie einfach in deiner Wallet gehalten hättest. Er entsteht, wenn sich die Kurse der Token im Pool auseinanderbewegen, und heißt „impermanent“ (nicht dauerhaft), weil er wieder schrumpft, wenn die Kurse dorthin zurückkehren, wo sie bei deiner Einzahlung standen.
Was ist Impermanent Loss bei Krypto?
Impermanent Loss ist bei Krypto eine Art Opportunitätskosten für Liquiditätsanbieter: der Wert, der dir entgeht, weil du Liquidität bereitstellst, statt dieselben Werte zu halten. Er wird gegenüber dem Halten gemessen, nicht gegenüber deiner ursprünglichen Einzahlung. Du kannst also Impermanent Loss haben und absolut gesehen trotzdem im Plus sein.
Das Wort „impermanent“ führt in die Irre. Der Verlust ist nur vorläufig, solange dein Geld im Pool bleibt und die Kurse noch zurückkommen können. Sobald du abhebst, wird er zu einem echten, dauerhaften Unterschied. Viele Liquiditätsanbieter nehmen das Risiko von Impermanent Loss in Kauf, weil sie Handelsgebühren verdienen, die ihn ausgleichen können.
Wie Impermanent Loss in DeFi-Liquiditätspools entsteht
Impermanent Loss entsteht, weil ein Liquiditätspool deine Token bei jeder Kursänderung neu gewichtet. Du besitzt keine feste Anzahl jedes Tokens, sondern einen Anteil am Pool, und die Mischung der Token im Pool ändert sich mit jedem Trade.
Wie automatisierte Market Maker neu gewichten
Die meisten dezentralen Börsen betreiben ihre Pools mit automatisierten Market Makern, die die Constant-Product-Formel nutzen, x × y = k: Die Mengen der beiden Token miteinander multipliziert müssen konstant bleiben. Steigt der Marktpreis von ETH an anderen Börsen, ist der Preis im Pool plötzlich zu niedrig. Arbitrage-Trader kaufen das günstige ETH aus dem Pool, bis sein Preis dem externen Preis entspricht. Danach liegt im Pool weniger ETH und mehr vom anderen Token.
Dein Anteil folgt dem Pool. Am Ende hast du weniger von dem Token, der gestiegen ist, und mehr von dem Token, der gleich geblieben ist. Fällt ETH stattdessen, passiert das Gegenteil, und du hältst am Ende mehr vom fallenden Token. Impermanent Loss entsteht in beide Richtungen: Es zählt nur, wie stark sich der Kurs ändert.
Beispiel für Impermanent Loss in Euro
Hier ein Rechenbeispiel für Impermanent Loss mit runden Zahlen, der Übersicht halber ohne Gebühren. Angenommen, du zahlst 1.000 € in einen ETH/EURC-Pool ein (EURC ist ein Euro-Stablecoin), wenn ETH 2.000 € kostet: 0,25 ETH im Wert von 500 € plus 500 EURC, gleicher Wert auf beiden Seiten.
Dann verdoppelt sich ETH auf 4.000 €. Der Pool gewichtet deinen Anteil auf etwa 0,177 ETH und 707 EURC um.
| Wenn du gehalten hättest | Im Pool | |
|---|---|---|
| ETH | 0,25 ETH = 1.000 € | 0,177 ETH = 707 € |
| EURC | 500 EURC = 500 € | 707 EURC = 707 € |
| Gesamtwert | 1.500 € | 1.414 € |
Deine Position ist von 1.000 € auf 1.414 € gewachsen, du hast also absolut gesehen Geld verdient. Einfaches Halten hätte dir aber 1.500 € gebracht. Der Unterschied von 86 €, 5,7 % des Werts beim Halten, ist dein Impermanent Loss. Hätte sich ETH stattdessen auf 1.000 € halbiert, wäre das Halten 750 € wert und dein Poolanteil 707 €: dieselbe Lücke von 5,7 %, zusätzlich zum Verlust durch den fallenden Kurs.
So berechnest du Impermanent Loss
Um Impermanent Loss in einem normalen 50/50-Pool zu berechnen, brauchst du nur das Kursverhältnis: wie stark sich der Kurs des einen Tokens seit deiner Einzahlung im Verhältnis zum anderen verändert hat. Die Formel lautet 2 × √r ÷ (1 + r) − 1, wobei r das neue Kursverhältnis geteilt durch das ursprüngliche Verhältnis ist.
| Kursänderung eines Tokens gegenüber dem anderen | Impermanent Loss |
|---|---|
| Auf das 1,25-Fache gestiegen (oder um 20 % gefallen) | 0,6 % |
| Auf das 1,5-Fache gestiegen (oder um 33 % gefallen) | 2,0 % |
| Auf das 2-Fache gestiegen (oder um 50 % gefallen) | 5,7 % |
| Auf das 3-Fache gestiegen (oder um 67 % gefallen) | 13,4 % |
| Auf das 4-Fache gestiegen (oder um 75 % gefallen) | 20,0 % |
| Auf das 5-Fache gestiegen (oder um 80 % gefallen) | 25,5 % |
Diese Schätzung des Impermanent Loss lässt Swap-Gebühren und Belohnungen aus dem Yield Farming außen vor und gilt nur für 50/50-Pools mit konstantem Produkt. Pools mit anderen Gewichtungen verhalten sich anders, und bei konzentrierter Liquidität kann der Verlust bei derselben Kursbewegung um ein Mehrfaches größer sein.
Was macht das Risiko von Impermanent Loss größer?
Das Risiko von Impermanent Loss wächst mit der Kursabweichung: Je weiter die Kurse der beiden Token auseinanderlaufen, desto größer der Verlust. Drei Dinge entscheiden, wie weit das geht.
- Kursvolatilität. Volatile Paare, etwa ein kleiner Altcoin gegen einen Stablecoin, können massive Kursschwankungen und einen erheblichen Impermanent Loss erleben.
- Korrelation. Korrelierte Werte, die sich meist gemeinsam bewegen, etwa zwei Dollar-Stablecoins, weichen wenig voneinander ab und haben ein geringes IL-Risiko. Nicht alle Liquiditätspools sind aber gleich: Ein Stablecoin, der seine Kopplung verliert, macht aus einem „risikoarmen“ Pool einen großen Verlust.
- Konzentrierte Liquidität. Wer Liquidität in einer engen Preisspanne bereitstellt, verdient mehr Gebühren pro Euro, aber der Verlust wird größer, sobald der Kurs diese Spanne verlässt.
Impermanent Loss vs. Handelsgebühren
Liquiditätsanbieter verdienen bei jedem Swap Handelsgebühren, und genau diese Gebühren können Impermanent Loss ausgleichen. Die eigentliche Frage ist, ob die verdienten Handelsgebühren ihn übertreffen.
Im Beispiel oben: Käme dein Anteil an den Handelsgebühren in diesem Zeitraum auf 60 €, lägst du 26 € hinter dem Halten zurück statt 86 €. Pools mit hohem Handelsvolumen bringen mehr Gebühreneinnahmen; Pools mit geringem Volumen verdienen vielleicht nie genug. Sei vorsichtig bei einer sehr hohen beworbenen Rendite: Projekte zahlen oft Governance-Token aus, um Liquidität anzulocken, und diese Belohnungen aus dem Yield Farming können schneller an Wert verlieren, als Gebühren hereinkommen.
Wann wird Impermanent Loss dauerhaft?
Impermanent Loss wird dauerhaft, wenn du abhebst, während die Kurse noch vom ursprünglichen Verhältnis abweichen. Kehren die Kurse dorthin zurück, wo sie bei deiner Einzahlung standen, verschwindet der Verlust. Deshalb spricht man von einem „vorübergehenden Verlust“.
In der Praxis kehren die Kurse selten genau zum Ausgangspunkt zurück. Behandle Impermanent Loss bei deiner Planung als echte Kosten, nicht als etwas, das sich von selbst erledigt.
So gehst du mit Impermanent Loss um
Ganz vermeiden kannst du Impermanent Loss in einem Pool mit zwei Token nicht, aber mit ein paar Gewohnheiten kannst du ihn in Grenzen halten:
- Fang mit einer kleinen Position an, deren Verlust du dir leisten kannst.
- Bevorzuge korrelierte Paare, wenn du ein geringeres Risiko willst, und akzeptiere, dass sie meist niedrigere Gebühren bringen.
- Vergleiche die erwarteten Gebühreneinnahmen vor der Einzahlung mit ein paar Kursszenarien aus der Tabelle.
- Meide Protokolle ohne Audit und neue Pools, deren Belohnungen zu gut klingen, um wahr zu sein.
- Wenn ein Protokoll einseitige Liquidität oder einen „Schutz“ anbietet, lies genau nach, wer das Risiko trägt und was passiert, wenn dem Protokoll das Geld ausgeht.
Lohnt es sich, Liquidität bereitzustellen?
Liquidität bereitzustellen lohnt sich nur, wenn die erwarteten Gebühren den Impermanent Loss in realistischen Kursszenarien klar übertreffen und du das Smart-Contract-Risiko obendrauf akzeptierst. Für die meisten Einsteiger ist es leichter zu verstehen und günstiger zu verwalten, die Token einfach zu halten.
Meide volatile Pools, wenn du deine Position nicht regelmäßig prüfen kannst oder das Geld bald brauchst. Pools auf DeFi-Protokollen liegen in der Regel außerhalb von MiCA. Es gibt also keine Aufsichtsbehörde und keine Anlegerentschädigung, wenn etwas schiefgeht. Kryptowerte sind volatil, und du kannst einen Teil deines eingesetzten Geldes oder alles verlieren.
Steuern und Aufzeichnungen in der EU
Wie Liquiditätspools besteuert werden, ist von Land zu Land unterschiedlich. Je nach Wohnort können das Einzahlen von Token, der Erhalt von LP-Token, verdiente Gebühren und das Abrufen von Belohnungen jeweils unterschiedlich behandelt werden. Prüfe also die Hinweise deiner eigenen Steuerbehörde.
In den Niederlanden fällt Krypto in Box 3 und wird auf Basis seines Werts am 1. Januar besteuert, nicht pro Trade. Egal wo du lebst: Halte jede Einzahlung, Auszahlung, Belohnung und Netzwerkgebühr fest. Du brauchst diese Angaben, um deine tatsächliche Rendite zu ermitteln.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Was ist Impermanent Loss bei Kryptowährungen?
Es ist der Unterschied zwischen dem Wert deiner Token in einem Liquiditätspool und dem Wert, den dieselben Token hätten, wenn du sie in deiner Wallet gehalten hättest. Er entsteht, wenn sich die Kurse der Token im Pool auseinanderbewegen.
Sind Liquiditätspools profitabel?
Manche ja, viele nicht. Ein Pool ist für dich nur profitabel, wenn die Handelsgebühren und Belohnungen, die du verdienst, den Impermanent Loss, die Netzwerkgebühren und das Kursrisiko beider Token übertreffen.
Was bedeutet 100 % gesperrte Liquidität?
Es bedeutet, dass die LP-Token eines Pools in einem Smart Contract gesperrt oder vernichtet wurden, sodass die Ersteller des Tokens die Liquidität für einen festgelegten Zeitraum nicht abziehen können. Das senkt das Risiko eines Rug Pulls, sagt aber nichts darüber, ob der Token selbst etwas wert ist.
Lässt sich Impermanent Loss ganz vermeiden?
Nicht in einem normalen Pool mit zwei Token: Jede Kursabweichung erzeugt etwas Impermanent Loss. Pools aus korrelierten Werten, etwa zwei Stablecoins, halten ihn klein, tragen aber trotzdem das Risiko, dass ein Token seine Kopplung (Peg) verliert.
Was ist besser, Staking oder ein Liquiditätspool?
Beim Staking eines einzelnen Coins gibt es keinen Impermanent Loss, es ist also leichter zu verstehen. Ein Liquiditätspool kann mehr an Handelsgebühren einbringen, bringt aber zusätzlich zum Kursrisiko Impermanent Loss und Smart-Contract-Risiko mit sich.