FOMO: Bedeutung von Fear of Missing Out beim Investieren und bei Krypto
FOMO steht für „fear of missing out“, auf Deutsch die Angst, etwas zu verpassen: die Sorge, dass andere mit etwas Gewinne machen, während du zurückbleibst. Beim Investieren bringt FOMO Menschen dazu, eine Aktie oder einen Kryptowert zu kaufen, nachdem der Kurs schon in die Höhe geschossen ist, einfach weil scheinbar alle anderen reich werden. Es ist einer der häufigsten Gründe, warum Einsteiger teuer kaufen und billig verkaufen.
Was bedeutet FOMO?
FOMO bedeutet Fear of Missing Out, und der Begriff beschreibt eine emotionale Reaktion statt einer überlegten Entscheidung. Das Kürzel wurde in den 2000er-Jahren populär, wobei oft ein Artikel von 2004 in einer Studentenzeitung der Business School der Harvard University genannt wird, der es verbreitet haben soll, und ist heute alltäglicher Internet-Slang für die Sorge, dass andere ein besseres Leben haben als du.
Beim Geld beschreibt FOMO ein bestimmtes Verhalten: einen Vermögenswert zu kaufen, nicht weil du ihn recherchiert hast, sondern weil sein Kurs steigt und du es nicht erträgst, ihm ohne dich beim Steigen zuzusehen. Der Unterschied ist wichtig. Eine recherchierte Anlage hat einen Grund, einen Preis, den du zu zahlen bereit bist, und einen Plan. Ein FOMO-Kauf hat nur Dringlichkeit und Hoffnung.
Fear of Missing Out beim Investieren
Die Angst, etwas zu verpassen, nährt sich beim Investieren von sozialer Bestätigung (Social Proof) und hängt eng mit sozialen Medien zusammen. Wenn Freunde ihre Gewinne posten oder Online-Communities darüber reden, entsteht der Eindruck, dass die ganze Welt reich wird, nur du nicht. Ein schneller Kursanstieg fühlt sich wie ein Beweis an, dass der Vermögenswert wertvoll ist, aber ein steigender Kurs zeigt nur, dass mehr Menschen kaufen, nicht warum.
Wie FOMO Anlageentscheidungen beeinflusst
FOMO kann Anleger zu schlechteren Anlageentscheidungen verleiten. Diese impulsiven Entscheidungen zeigen sich auf drei vorhersehbare Arten:
- Später Einstieg. Du kaufst nach der großen Bewegung, wenn der Großteil des Anstiegs schon gelaufen ist und das Risiko eines Rückgangs am höchsten ist.
- Zu große Positionen. Die Angst, weitere Gewinne zu verpassen, lässt dich mehr Geld in einen Trade stecken als geplant, was dein Risiko erhöht.
- Kein Ausstiegsplan. Du legst nicht vorher fest, wann du verkaufen würdest, sodass ein Rückgang in Panikverkäufe umschlägt.
Ein einfaches Beispiel zeigt den Schaden. Angenommen, ein Coin hat sich in einem Monat verdoppelt, und du kaufst nahe dem Hoch für 1.000 €. Der Hype lässt nach, und der Kurs fällt um 50 %. Deine Position ist jetzt 500 € wert, und sie muss um 100 % steigen, nur um wieder auf 1.000 € zu kommen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit sagt keine künftigen Renditen voraus, und das gilt auch für die Rally des letzten Monats.
FOMO beim Trading
Beim Trading heißt FOMO, einer Bewegung hinterherzujagen: in einen Trade einzusteigen, weil der Kurs schon läuft, nicht weil deine eigenen Regeln es sagen. Erfahrene Trader legen ein Setup im Voraus fest, etwa ein Kursniveau, ein Signal und einen Stop-Loss, und handeln nur, wenn es eintritt. Sobald du ohne Setup kaufst, tradest du aus Emotionen. Hinterhergejagte Trades in deinem Trading-Konto verursachen außerdem Gebühren, die deine Anlagen weiter schmälern.
Warum Anleger Angst haben, etwas zu verpassen
Anleger haben Angst, etwas zu verpassen, weil sich eine verpasste Chance so schmerzhaft anfühlen kann wie verlorenes Geld. Die Psychologie dahinter ist gut bekannt; die Behavioral Finance nennt einen Teil davon Reueaversion (Regret Aversion): Menschen tun viel, um das Gefühl zu vermeiden, falsch entschieden zu haben. Drei Auslöser verstärken das:
- Social-Media-Feeds. Screenshots von Gewinnen, nie von Verlusten, lassen Gewinne normal und einfach aussehen.
- Knappheitssprache. „Letzte Chance“, „nur für kurze Zeit“ oder „nur noch 24 Stunden“ sollen dich vom Nachdenken abhalten.
- Reue vom letzten Mal. Wenn du die letzte Rally verpasst hast, springst du eher auf die nächste auf.
Beispiele für FOMO an den Märkten
FOMO zeigt sich in jedem Marktzyklus, nicht nur bei Krypto. Drei bekannte Beispiele:
- Die Dotcom-Blase. Ende der 1990er-Jahre stürzten sich Anleger auf fast jedes Unternehmen mit „.com“ im Namen. Viele dieser Aktien verloren den Großteil ihres Werts, als die Blase 2000 platzte.
- Meme-Aktien. Im Januar 2021 trieben Online-Communities den Aktienkurs von GameStop außergewöhnlich schnell nach oben. Viele, die nahe dem Hoch kauften, hatten innerhalb weniger Wochen große Verluste.
- Krypto-Bullenmärkte. Jede große Krypto-Rally bringt eine Welle neuer Käufer und neuer Token, und viele dieser Token fallen später fast auf null.
Das Muster wiederholt sich: eine echte Geschichte, ein schneller Kursanstieg, eine Masse, die spät einsteigt, und ein steiler Absturz, der die letzten Käufer am härtesten trifft.
FOMO bei Krypto
FOMO ist bei Krypto besonders stark, weil die Märkte 24 Stunden am Tag geöffnet sind, die Kurse sehr volatil sind und neue Token innerhalb von Tagen um ein Mehrfaches steigen können. Kryptowerte haben wie andere digitale Vermögenswerte außerdem keine Gewinne oder Dividenden, mit denen du Aktien bewerten kannst, daher bewegen Hype und Trends die Kurse stärker.
Das macht Krypto zu einem natürlichen Zuhause für Pump-and-Dump-Maschen, bei denen eine Gruppe einen kleinen Token hochjubelt, früh kauft und an die Leute verkauft, die hineinstürmen. Unsere Seite zu Pump and Dump erklärt, wie sie funktionieren. Das Spiegelbild von FOMO ist FUD: Angst, Unsicherheit und Zweifel (fear, uncertainty and doubt), die Menschen dazu bringen, am Tiefpunkt zu verkaufen.
Die Regeln der EU schützen dich vor manchem, aber nicht vor deinen eigenen Gefühlen. Nach MiCA müssen lizenzierte Krypto-Anbieter fair, klar und nicht irreführend werben, und falsche Informationen zu verbreiten, um Kurse zu bewegen, gilt als Marktmanipulation. Nichts davon verhindert, dass Kurse fallen. Kryptowerte sind sehr volatil, und du kannst das gesamte eingesetzte Geld verlieren.
Am teuersten wird FOMO, wenn Hebel dazukommt. Eine überstürzt eingegangene Hebelposition kann schon durch eine kleine Gegenbewegung liquidiert werden, was ein Grund ist, warum die meisten Privatanleger mit gehebelten Produkten Geld verlieren.
So vermeidest du FOMO
Der beste Weg, FOMO zu vermeiden, ist, deine Regeln festzulegen, bevor der Markt aufregend wird, und sie dann zu befolgen, wenn es so weit ist.
Leg eine Abkühlregel fest
Eine Abkühlregel zwingt dich, vor jedem Kauf zu warten, den du nicht geplant hattest. Ein Tag reicht meist.
- Warte 24 Stunden. Wenn die Anlage morgen noch sinnvoll ist, ist sie es auch zum Kurs von morgen. Warten kostet wenig, und vielleicht profitierst du von einem niedrigeren Kurs.
- Schreib auf, warum. Ein oder zwei Sätze: was du kaufst, warum und was dich zum Verkauf bewegen würde. Wenn du es nicht aufschreiben kannst, kauf es nicht.
- Setz stattdessen einen Kursalarm. Wähle den Kurs, den du gern zahlen würdest, und lass dich vom Alarm zurückholen, nicht vom Gefühl.
Mach einen einfachen FOMO-Check
Stell dir vor dem Kauf vier Fragen:
| Frage | FOMO-Antwort | Geplante Antwort |
|---|---|---|
| Warum kaufe ich jetzt? | „Es steigt“ | „Es passt zu meinem Plan“ |
| Habe ich selbst recherchiert? | „Die Leute im Netz sagen es“ | „Ich weiß, wie es funktioniert und was es kostet“ |
| Wie viel könnte ich verlieren? | „Es wird nicht fallen“ | „Diesen Betrag, und den kann ich mir leisten“ |
| Wann verkaufe ich? | „Später“ | „Bei diesem Kurs oder nach diesem Ereignis“ |
Wenn die meisten deiner Antworten in der linken Spalte stehen, warte und recherchiere selbst, bevor du kaufst, mit unabhängigen Quellen statt mit den Leuten, die dir die Idee verkaufen.
Automatisiere dein Investieren
Automatisierung nimmt dir die Entscheidung ab und damit den größten Teil des emotionalen Drucks. Es ist eine einfache Strategie: Ein fester monatlicher Kauf, etwa 100 € in einen ETF oder einen Kryptowert, den du recherchiert hast, bedeutet, dass du zu vielen verschiedenen Kursen kaufst, statt einem einzigen hinterherzujagen. Unser Ratgeber zum Cost-Average-Effekt erklärt die Idee.
FOMO-resistente Entscheidungen treffen
FOMO-resistentes Investieren läuft auf einen Plan und eine Strategie hinaus, die du festlegst, wenn du ruhig bist. Halte den Großteil deines Geldes langfristig in diversifizierten Anlagen und einen spekulativen Teil so klein, dass sein Verlust dein Leben nicht verändern würde.
Überprüfe jeden ungeplanten Kauf nach der Abkühlphase und notiere, was du beim Kauf gefühlt hast. Ein Anlagetagebuch klingt altmodisch, ist aber einer der klarsten Wege, deine eigenen Muster zu erkennen. Eine Rally zu verpassen, ist kein Verlust. Mit Geld, das du brauchst, am Hoch einer Rally zu kaufen, ist es oft schon.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Was bedeutet FOMO in Chats?
In Chats und sozialen Medien ist FOMO Slang für „fear of missing out“: die Sorge, dass Freunde irgendwo ohne dich eine bessere Zeit haben. Beim Investieren meint es dasselbe Gefühl, nur auf Geld bezogen.
Ist FOMO ein Slangwort?
Ja. FOMO begann als Internet-Slang und steht heute in großen englischen Wörterbüchern. Anleger und Trader verwenden es als gängigen Begriff für Käufe aus Emotionen heraus.
Was bedeutet FOMO beim Trading?
Beim Trading ist FOMO der Drang, in einen Trade einzusteigen, weil sich der Kurs schon bewegt und du fürchtest, den Rest der Bewegung zu verpassen. Meist heißt das, spät zu kaufen, ohne Plan, wann du verkaufst.
Ist FOMO beim Trading schlecht?
Ja, meistens. FOMO-Trades werden aus Emotionen eingegangen, oft nahe einem lokalen Hoch, mit zu großen Positionen und ohne Ausstiegsplan. Das Gefühl zu haben, ist normal; danach zu handeln, kostet Geld.
Ist FOMO gut für Aktien?
FOMO kann Aktienkurse eine Zeit lang nach oben treiben, wenn viele Käufer gleichzeitig einsteigen. Aber von FOMO getriebene Kurse fallen meist zurück, wenn die Käufe aufhören, und späte Käufer tragen den größten Teil dieses Verlusts.